Dienstag, 12. Dezember 2017

"Mama, Nino an"

Jos neuer Pullover: Ein ganz schlichter Raglanschnitt, den ich ganz in Blautönen gehalten und nur mit einer kleinen Dinosaurier-Applikation versehen habe

Ich weiß, man sollte das eigentlich nicht tun. Aber es gibt bei mir immer wieder die Momente, in denen ich Jo mit anderen Kindern in seinem Alter vergleiche. Ich denke dann: "Ach, das kann er aber schon", oder: "Wäre doch schön, wenn er das endlich könnte."

Vor allem beim Sprechen war das so. Während seine Kindergartenkumpels schon lange fröhlich vor sich hinplapperten und die anderen Eltern in der Kita bei den Erzieherinnen nachfragten, wo ihre Kinder dieses oder jenes Wort aufgeschnappt haben könnten, blieb Jo weitestgehend still. Mama, Papa, Auto, Ball und Nein - das war bis vor ein paar Wochen sein ganzer Wortschatz, jedenfalls der, den er benutzte.

Ich bin ganz begeistert: Das Foto-Shooting haben wir nach einem ganzen Tag in der Kita gemacht. Da bekommen wir nur die wenigsten Dinge so sauber nach Hause ;)

Schon vor Monaten hat mir eine gute Freundin gesagt, dass ich mir keine Sorgen machen bräuchte, Jo sei offenbar eines der Kinder, die man Wortsammler nennt. Es müsste nur einmal der Damm brechen, dann würden die Worte schon aus ihm heraussprudeln und ich wäre überrascht, wie viele Worte das wären.

Den ersten Riss in dem Damm gab es - und deshalb erzähle ich das alles überhaupt - als ich Jo ein neues Paar Socken hinlegte. Socken mit klassischem Jungsmuster: Dinosaurier.

Schon seit Babytagen hat er eine Hose mit Dino-Muster. Dass er sofort "Nino" sagte, verwunderte mich nicht, freute mich aber: endlich ein neues Wort. Dann aber wurde daraus eine regelrechte Obsession. "Mama, Nino", "Mama, Nino", "Mama, Nino" später dann "Mama, Nino-Docken an, ja?"

Wir üben gerade eine paar Posen fürs Fotografieren. Ob ich davon ein Fan werde, weiß ich aber noch nicht :)))

Das Kind wollte keine anderen Socken mehr anziehen. Und da ich nicht für ein paar Mini-Socken die Waschmaschine anwerfe (und kein Fan von Handwäsche bin) gab es Wochen, in denen er zwei Tage hintereinander dieselben Socken anhatte. Ich Rabenmutter. Aber das tobende Kind, das sich alle anderen Socken von den Füßen reißt, konnte ich nicht anders beruhigen.

Langer Rede, kurzer Sinn. Jo mag Dinos offenbar sehr gerne – deutlich lieber als Autos ganz offensichtlich. Denn den Dino-Pulli, den ich heute zeige, trägt er mit großer Freude.

Wer mich hier öfter besucht, weiß, dass es bei mir gerne auch mal schlichter zugehen darf und ich mit Ausnahme von Ankern kein übermäßig großer Fan von Motiv-Stoffen bin. Deshalb liebt nicht nur mein Kind diesen Pullover, sondern ich auch.

Man achte auf die kleinen bunten Sprenksel im Bündchen. Ich liebe diese Konfetti-Bündchen. Hach, wie leicht man mich heute noch begeistern kann ;)

Besonders gern mag ich die tollen Konfetti-Bündchen. Die kleinen bunten Sprenksel in dem ansonsten tiefblauen Stoff finde ich einfach super.

Die Applikation ist eigentlich eine Plotter-Datei und ich habe sie aus dem Design-Store meines Silhouette Plotters. Ich habe einfach die einzelnen Ebenen aufgelöst und sie dann einzeln ausgedruckt und schon war meine Appli-Vorlage fertig. Nicht besonders fancy, aber einfach niedlich.

Und jetzt noch mal die Halsversäuberung von Nahem. Das nächste Mal dann wieder mit farblich passendem Garn. Ich werde nicht mehr zur ordentlich Näherin, befürchte ich...

Der Schnitt vom Pullover ist wieder der Raglanbabypullover aus dem Buch "Nähen mit Jersey - kinderleicht" von Pauline Dohmen. Er ist einfach schnell genäht und passt Jo wie ich finde sehr gut. Dieses Mal ist er wieder aus einem angerauhten Sweat genäht, der zum Glück ganz ohne Polyester auskommt. Damit ist der Pulli schön kuschelig ohne schwitzig zu sein.

Die Halsversäuberung habe ich wieder nach dem genialen Tutorial "Kragenlatein" von Hamburger Liebe gemacht. Dabei wird die Halsnaht wie beim Einfassen am Ende noch mal mit einem Jerseystreifen ummantelt. Sieht einfach besser aus (vor allem, wenn man anders als ich hier, mit farblich passendem Garn arbeitet).

Hier noch mal die tollen Konfetti-Bündchen und eine Detailansicht meines Snapap-Labels

Wie inzwischen fast alle meine Sachen hat auch dieser Pulli wieder ein Snappap-Label bekommen.



In Kürze:
Schnitt: Raglanbabypullover aus "Nähen mit Jersey - kinderleicht"
Stoffe: Ganzjahressweat in rauchblau und 
Konfetti-Bündchen in dunkelblau von Homemade by Steffi
Applikation: Silhouette Design Store (eigentlich eine Plott-Datei)

Dienstag, 5. Dezember 2017

Ein Lieloop für den Kleinen

Jo hat einen neuen Schal - den Lieloop Kids nach einem Schnitt von Lielie's Pumpbär - hier mit Lederpatches und Fake-Kordeln 

Nicht ganz ein Jahr ist es her, da habe ich euch hier von meinem ersten Probenähen berichtet. Damals - am dritten Advent - habe ich darüber geschrieben, wie ich für Lielie's Pumpbär den Lieloop-Schnitt getestet habe. Hui, war das aufregend damals.

Zwischendurch dachte ich, ich hätte mich bei Sabrina, dem kreativen Kopf bei Lielie's Pumpbär, mit meiner zuweilen nassforschen Art zu einer persona non grata gemacht. Alle, die mich im wahren Leben kennen, wissen genau was ich meine. Ich glaube, es gibt nicht einen Menschen in meinem Umfeld, dem ich nicht schon mal vor den Kopf gestoßen habe... Meist damit, dass ich Kritik mit wenig Diplomatie äußere - und noch viel öfter, indem ich mich in Dinge einmische, bei denen eine Einmischung meinerseits nicht vorgesehen war.

Außen ist der Schal aus einem festen Wintersweat, innen habe ich mit herrlich weichem Baumwollfleece gefüttert. Die Kordel verläuft nur vorne zwischen den beiden Ösen und hat keine Funktion 

Viel zu kritisieren am Lieloop gab es nicht. Aber ich habe mich dem Geschrieben im Ebook nur genauso angenommen, wie ich das mit einem Text mache, den ich für eine Zeitung redigiere. Hart, pingelig und mit vielen Besserwisser-Vorschlägen, von denen ich allerdings nicht erwarte, dass man sie annimmt ;) Damit habe ich in der damaligen Probenäh-Gruppe für ein paar Irritationen gesorgt.

Aber: Was soll ich sagen? Sabrina selbst fand das offenbar nicht allzu schlimm, oder hat es mir inzwischen nachgesehen. Auf jeden Fall durfte ich sie nun auch beim Lieloop Kids unterstützen, der gerade online gegangen ist. Besonders stolz bin ich darauf, dass Sabrina darin auf mein kleines Tutorial zum Einsetzen von Ösen verlinkt :)

Die Idee vom Lieloop ist geblieben - dazu gehören die Dreiecksform vorne am Loop und die optionale Teilung. Hinten hat die Kidsversion noch einen – ich nenne es mal – Latz bekommen, den man von vielen Kinderschals kennt und schätzt. Denn so wird der Nacken auf keinen Fall kalt.

Mein neues Lieblings-Kordelenden-Material: Schrumpfschlauch, hier in leuchtend blau aus der Elektroabteilung des Baumarkts. Das passte so toll zu den Sternen auf dem Sweat und den Knöpfen an der Jacke

Genäht wird der Lieloop Kids nach dem Kopfumfang der Kinder aus gut dehnbaren (möglichst dicken) Stoffen, denn so passt er sich dem Hals am besten an. Hier seht ihr meine Version aus Wintersweat und Baumwollfleece. Jo hat einen Kopfumfang von 47,5 Zentimetern, genäht habe ich für ihn daher die Doppelgröße 47/48.

Der Schal ist so wahnsinnig schnell genäht, selbst mit Getüdel wie Leder- und Snappap-Patches und Fakekordeln, dass Jo davon gleich mehrere bekommen hat und noch weitere bekommen wird. Ihr wisst ja, mein Spleen ist, dass immer alles möglichst gut zusammen passt. Da muss es also mindestens für jede Jacke ein einzelnes Modell geben - und eigentlich geht es natürlich auch nicht, wenn was vom Pullover aus der Jacke rausguckt und der Schal nicht dazu passt ;)

Passend zum Schal gab es auch eine neue Wintermütze: Eine Beanie Nach dem Freebook 5-Mütz-goes-Winter von "From Heart to Needle"

Die Mütze zum Schal ist übrigens eine 5-Mütz-goes-Winter von "From Heart to Needle" und genauso wie der Lieloop ein Freebook. Jo und ich haben letztes Frühjahr die Beanie-Version der Mütze mitgetestet. Passend dazu gab es damals die verkleinerte die Version vom Lieloop für Erwachsene. Wer den Beitrag noch mal lesen will, hier geht's lang.

Doppelt Jersey wurde aber jetzt zu kalt, deshalb gab es die Winterversion aus Sweat und Baumwollfleece. Offenbar mag der kleine Mann Mützen ohne Bündchen lieber. Mir soll es recht sein. Die 5-Mütz ist ebenfalls enorm schnell genäht.


In Kürze:
Schnitt Schal: Lieloop Kids von Lielie's Pumpbär
Stoffe: Sweat vom Stoffmarkt, 
Baumwollfleece und Hoodieband (15mm) von Homemade by Steffi
Leder: Joe und Anna 
Schrumpfschlauch: Bauhaus

Dienstag, 28. November 2017

Neuer Ankerpulli für Jo

Jos neuer Ankerpulli. Nach dem Reinfall beim letzten Mal endlich wieder ein Kleidungsstück, das auf Anhieb die Gnade des kleines Mannes gefunden hat

Das hier sollte eigentlich ein Beitrag darüber werden, wie toll Jo seinen neuen Ankerpulli findet. Nach dem Näh-Fail mit dem Autopulli habe ich es nämlich doch mal wieder geschafft, einen Pullover zu nähen, der dem inzwischen doch sehr wählerischen Herrn (und das mit nicht einmal zwei Jahren, Hallelujah!) genehm ist. Obwohl der Pulli nur sehr schwer über den Kopf geht (dazu gleich noch mehr), will er ihn immer sofort anziehen, wenn er ihn sieht. Auch, wenn der noch nass auf der Wäscheleine hängt - Tobsuchtsanfälle inklusive, wenn Mama sagen muss: "Nein, das geht nicht."

Aber - und jetzt kommt das große Aber: Dieser Text wird sich damit befassen müssen, was beim Fotografieren eines Kindes alles schief laufen kann ;). Denn die Fotos - und ihr seht ja nur die Guten - sind schon hart an der Grenze dessen, was ich gerade-noch-so-vorzeigbar finde.

Genäht habe ich den Raglanbabypulli aus dem Buch "Kinderleicht" von Pauline Dohmen alias Klimperklein

Es fängt mit dem Näh-Plan an. Wer einen Pullover Ende November näht, dem muss in Hamburg (und in vielen anderen Teilen der Welt) klar sein, dass es davon nur Indoor-Fotos geben wird. Bei uns trotz geräumiger Raumausstattung schon immer schwierig.

Als Location habe ich mir meinen Nähkeller ausgesucht. Eigentlich eine den Umständen entsprechend gute Wahl: weiße Wände, weiße Decke (wichtig zum Blitzen), dunkles Sofa, tolles geerbtes Spinnrad, kein sichtbares Chaos.

Der Pulli von hinten, die Kulsse: mein Nähkeller - mit einem wundervollen noch funktionstüchtigen Spinnrad, das ich von Jos Ur-Oma erben durfte.

Nun ist Jo kein Poser. Ich kann ihm nicht sagen: Lach mal, oder tu dieses oder tu jenes. Es hat auch sein Gutes: Das bringt mich nicht in die Versuchung, ihn zu etwas zu zwingen, was er vielleicht gar nicht machen will. Bestechen funktioniert auch noch nicht. Wenn ich ihm ein Gummibärchen oder einen Keks verspreche, will er ihn sofort, ohne dass er tut, was ich möchte - und wenn er das Objekt der Begierde nicht bekommt, macht er sowieso die nächsten fünf Minuten überhaupt nichts anderes als zu toben, zu heulen und zu schmollen. Also komme ich auch auf diese Ideen erst gar nicht. Die einzige Möglichkeit, ihn zu fotografieren, ist, ihn spielen zu lassen. Im Moment sind Duplo-Steine hoch im Kurs. Da meine Schwiegermutter das Spielzeug ihrer Jungs aufbewahrt hat und auch mein Schwager beim Elternhaus ausmisten, alles behalten hat, sind diese en masse vorhanden. So habe ich dann Kind und Legosteine mit in den Keller genommen und mich auf ein gutes Shooting gefreut.

Mein nahezu freihändig hinzu gebastelter Kragen. In meiner Vorstellung sah es cool aus, angezogen hat es was Altbackenes. Aber vielleicht ist das ja gerade auch schon wieder hip ;)

Fehler 1: Ich habe uns nicht genug Zeit gelassen. Jo wollte nicht mit den Legosteinen auf der Couch spielen, sondern mit dem Mop den Kellerboden wischen. Ein sicher lustiges Motiv. Aber der Rest unseres Keller ist eben genau das: ein Keller, mit allem Krimskrams, hässlichen Kartons und noch reichlich mehr Dingen, die auf einem Foto furchtbar wirken würden. Also Kind nach kurzer Zeit wieder einfangen und bitten, auf der Couch zu spielen (klappt ja super, wie ich oben schon geschrieben habe). Um Licht, Farbabgleich etc. einzustellen, war die Zeit also mehr als knapp und wurde immer knapper.

Fehler 2: Ich hatte eine fast volle Speicherkarte in der Kamera. Hhm. Nach zehn Fotos war Schluss. Und bei einem schwierigen Setting ist das nichts. Also Unterbrechung und zweite Speicherkarte suchen. Das Kind entdeckt etwas anderes, mit dem es durch den Keller wuseln kann: Seinen alten Lauflernwagen. Puh!

Alles Lego, oder was? Die Steine stehen bei uns gerade mega hoch im Kurs - wie der Pulli und eine Checkerhose a la Klimperklein aus dem letzten Jahr. Dank Mitwachsbündchen passt eine 74 noch im Knickerbocker-Stil

Fehler 3 und hier fängt es eigentlich an: Ich habe nicht bedacht, wie bunt Duplosteine auf einem Foto wirken. Wir Menschen sind evolutionsbiologisch daran gewohnt auf Signalfarben zu reagieren. Statt des Pullovers sehe ich auf den meisten Fotos also knallbunte Duplosteine. Und da ich keinen Werbevertrag mit Lego habe, sind die natürlich nicht das, was im Mittelpunkt stehen sollte, sondern der Pullover. Hach ja, aus Fehlern lernt man...

Der Pullover ist übrigens der Babyraglanpullover aus dem Buch "Nähen mit Jersey - Kinderleicht" in Größe 86. Wer mir regelmäßig folgt, kennt den Schnitt schon vom Auto-Pulli.

Eigentlich sind entweder eine Kapuze oder ein Bündchen am Kragen vorgesehen. Ich wollte aber mal einen Kragen probieren und habe dafür auf den Wickelkragen aus dem Hoodie-Baukasten aus dem Buch "Nähen mit Jersey - Klimperklein" zurückgegriffen und diesen von 104 auf 86 gradiert. Dann habe ich ihn noch mit Absicht falsch herum angenäht, so dass oben runde Kanten entstanden - Jos Pullover sollte meinem neuem Anker-Pulli "Emilia" so ähnlich wie möglich sehen.

Vier Lagen Sommersweat (gedoppelter Kragen einfach gewickelt) machen es nicht gerade leicht einen Kleinkinderdickkopf durch die Öffnung zu bekommen, musste ich feststellen

Nun ja, die Geht-das-über-den-Kopf-Rechnung habe ich ohne den nur wenig dehnbaren Sommersweat gemacht, den ich für Jo nun schon das zweite Mal für einen Pulli vernäht habe. Dort, wo er dann vierlagig übereinander liegt, dehnt er sich quasi gar nicht mehr. Zum Glück macht Jo so etwas ohne Murren mit...


In Kürze:
Schnitt: Raglanbabypullover von Klimperklein
Stoff: Sommersweat Mini-Anker in Jeansblau