Dienstag, 22. August 2017

Jo und der Ochse - Applikation Freebie

Meine erste eigene Applikation: Der kleine Ochse Jonte. Hier ziert ein Shirt für Jo
Hier im Blog geht es nach fast einem Jahr ein bisschen erwachsener zu. Ich habe das Seiten-Design ein wenig verändert, da ich inzwischen doch nicht mehr nur für Jo nähe, sondern vieles auch für mich.
 
Da uns der kleine Ochse, der die Seite bis gestern dominiert hat, immerhin zehn Monate begleitet hat, wollte ich ihn nicht ganz verschwinden lassen. Und da ich ja gerade dem Appli-Fieber verfallen bin - dachte ich, ich versuche mich mal an einer eigenen Applikations-Vorlage. Tada: Hier ist sie.


Jo liebt den Ochsen total - allerdings hält er ihn für einen Esel - "Iah" :)

Da bei uns alle (Stoff-)Tiere Namen bekommen, habe ich beschlossen, den kleinen Ochsen Jonte zu nennen. Also: Herzlich Willkommen kleiner Jonte.

Hier könnt ihr die Vorlage als Freebie herunterladen.

Wenn ihr Jonte einmal näht, verlinkt mich doch, kommentiert hier oder schreibt mir auf Facebook. Das würde mich so freuen :)




Weil ich natürlich testen musste, ob man meine Idee auch tatsächlich mit Stoff umsetzen kann, hat Jo bereits sein erstes Shirt mit dem kleinen lächelnden Ochsen.
 
Jo mit seinem Shirt beim Autos beobachten

Wie genau ich alles gemacht habe, beschreibe ich in meinem neuen Tutorial zum Applizieren. Dass ich für das Tutorial eine Applikation brauchte, war übrigens der zweite Grund dafür, dass Jonte entstanden ist.
 
Hier mal eine Nahaufnahme von meinen Nähten. Ich bin noch kein Profi, aber doch eher zufrieden ;)

Jo findet Jonte übrigens ganz toll.  Allerdings hält er den Ochsen für einen Esel. Er tippt immer auf die Applikation, sagt "Iah" und kichert.

Appliziert habe ich den Esel auf einen tollen, ganz weichen, hellblauen Jersey von Homemade by Steffi. Als Schnitt habe ich mal wieder zum Raglan-Shirt von Klimperklein gegriffen. Ursprünglich dachte ich an kurze Arme. Aber da sich der Sommer einfach weiter nicht blicken lässt, habe ich mich für lange Ärmel entschieden. 
 
In einer solchen einfarbigen Variante wirken die Raglanärmel überhaupt nicht auffällig
Gesäumt habe ich das Raglan-Shirt mit meiner Zwillingsnadel, friemlig, aber das ist es mir wert 
 
Ein Patch mit unserem Logo darf natürlich speziell bei diesem Shirt nicht fehlen

In Kürze:
Schnitt: Raglanshirt von Klimperklein
Verlinkt bei: Creadienstag, Dienstagsdinge, HOT
 

Montag, 21. August 2017

Kinderkleidung nähen für Anfänger - Applizieren

Heute möchte ich euch zeigen, wie man Motive auf einen Stoff Applizieren kann. Ich habe mir dafür meinen kleinen Ochsen Jonte ausgesucht. Die Vorlage dafür findet ihr hier.

Das ist Jo mit seinem ersten Jonte auf einem Shirt

Zum Applizieren braucht ihr:

  1. eine Vorlage 
     
  2. eine Schere
  3. eine normale Nähmaschine
  4. Stoff, auf den ihr appliziert
  5. Stoffe, mit denen ihr appliziert
  6. Fliesofix (beidseitig klebendes Bügelvlies)
  7. Bügeleisen
  8. Stickvlies (ausreiß- oder auswaschbar, zur Not tut es auch Küchenrolle)
Und dann kann es schon los gehen. 


 
Schneidet euch als erstes eure einzelnen Teile der Vorlage aus. Natürlich könnt ihr bei symmetrischen Teilen, wie hier zum Beispiel die Augen, auch die Teile nur einmal ausschneiden. Aber ich habe es gern so, dass ich fertige Teilchen zur Seite legen kann. Deshalb gibt es bei mir alles genau in der Anzahl wie benötigt.


Dann übertragt ihr die einzelnen Teile eurer Vorlage auf das Fliesofix. Das hat eine Seite aus Papier und eine raue Seite auf der ihr das Klebevlies fühlen könnt. Ihr malt auf der Papierseite. Ich nutze dafür einen Bleistift. Das klappt bei mir am besten. Meine Vorlage ist bereits gespiegelt. Falls ihr mit einer eigenen Vorlage arbeitet - vor allem, wenn sie eine Schrift enthält, müsst ihr an dieser Stelle die Vorlagen falsch herum auf das Fliesofix legen.


Schneidet jetzt eure Fliesofixzeichnungen ziemlich grob aus. 


 
Und bügelt sie auf eure Stoffe auf. Hier ist es wichtig, dass ihr das Fliesofix auf die linke also die "hässliche" Stoffseite aufbügelt. Wie gesagt, das Fliesofix klebt beidseitig und später wird eure jetzige Papierfläche die Klebefläche für das Fixieren auf eurem Trägerstoff sein. Bei vielen Applikationen werden für die Details wie den Mund, Augen oder etwas ähnliches nur ganz kleine Stoffstücke benötigt. Ich habe deshalb eine Kiste für kleine Stoffreste.


Nachdem der Stoff abgekühlt ist, könnt ihr anfangen, eure Teile aus dem Stoff auszuschneiden. Hier erklärt sich auch, warum ich vorhin zum nur groben Ausschnitt geraten habe. Mit dem Fliesofix lassen sich die Stoffe sehr viel leichter schneiden - vor allem, wenn sie wie in meinem Fall aus dehnbarem Jersey sind.


Dann ist der Punkt gekommen, wo ihr die Papierseite des Fliesofix abzieht. Wer keine Lust auf Knibbeln hat, kann dafür das Fliesofix einfach einreißen. Der Stoff nimmt dabei keinen Schaden, das Papier lässt sich aber sehr viel besser abziehen. Jetzt habt ihr nur noch das Klebevlies unter dem Stoff.


Es wird spannend: Ihr platziert die unterste Schicht eurer Applikation an der Stelle eures Stoffes, wo sie später sein soll. Ich habe deshalb schon mal das Vorderteil des Shirts ausgeschnitten, auf das der Ochse kommen soll. Die unterste Schicht ist hier der Ochsenkopf. Bügelt das Stoffstück gut auf.




Bevor es ans Annähen des Stoffstücks geht, steckt euch etwas vom Stickvlies unter euren Stoff. Das sorgt gleich unter der Nähmaschine dafür, dass sich die Stoffe nicht verziehen und ihr später keine Wellen habt. Bei dickerer Webware kann man auch ohne Stickvlies sehr gut arbeiten. Aber gerade bei dehnbaren Stoffen wie Jersey würde ich euch immer zu einer festen nicht dehnbaren Stickunterlage raten.



Achtet beim Feststecken des Stickvlies darauf, dass euch die Nadeln später nicht beim Nähen stören. Stickvlies ist nicht sehr teuer, also nehmt ruhig ein paar Zentimeter mehr.
 
Dann geht's ans Festnähen. Theoretisch würden die Stoffe durch das Fliesofix auch so zusammenhalten, allerdings ist das keine langfristige Lösung. Denn schon nach der ersten Wäsche könnte sich alles lösen. 

An der Maschine habe ich einen einfachen Geradstich eingestellt. Würde ich Webware vernähen, müsste ich hier mit einem Zickzackstich arbeiten, um ein Ausfransen des Stoffes zu verhindern. Bei Jersey reicht der einfache Geradstich vollkommen aus. Ich habe eine etwas höhere Stichlänge gewählt, um zusätzlich zu verhindern, dass sich Wellen an den Stoffen bilden. Denn je größer die Stichlänge ist, desto besser transportiert eine Nähmaschine den Stoff. Zu groß darf die Stichlänge allerdings auch nicht sein, sonst kommt ihr nicht mehr gut um Kurven herum.
 


Näht einmal knapp am Rand entlang um euren Stoff herum. Ich habe ein halbtransparentes Füßchen. Da sieht man sehr gut, wo man langnähen muss. An knappen Stellen wechsle ich vom Fußpedal (das auf der langsamsten Stufe steht) auf das Handrad. Bei Kehrtwenden wie an den Ohren hebe ich das Füßchen und wende den Stoff, um in eine andere Richtung weiter nähen zu können. Am Anfang und am Ende sichere ich meine Naht in einer Punktvernähung. Es gehen aber natürlich auch ein paar Rückstiche.


Zurück ans Bügelbrett und an die nächste Stoffebene, in meinem Fall: die Schnauze, die Innenohren, das Weiße der Augen und das Halstuch. Hier geht es wieder wie oben: Aufbügeln und Festnähen.


Als letzte Ebene setzt ihr dann noch das schwarze der Augen, die Nasenlöcher und den Mund auf, bügelt es fest und näht es an.



Ich habe mich hier beim Ochsen übrigens dafür entschieden, für jede Stofflage ein passendes Garn zu verwenden. Gerade Anfängern würde ich das empfehlen. Ungenauigkeiten fallen so überhaupt nicht ins Gewicht. Allerdings können auch Kontrastgarne in schwarz oder weiß ganz toll aussehen - und es macht auch weniger Arbeit, weil man nicht ständig die Fäden wechseln muss. Ich habe hier in Wahrheit nur die Oberfäden ausgetauscht (wie das Bild von unten zeigt). Denn den Unterfaden sieht man bei der richtigen Einstellung der Maschine auf der Oberseite nicht.



Dann kommt der Part, den ich am wenigsten mag: das Ausreißen des Stickvlies. Aber, das ist wichtig, damit die Applikation nicht steif bleibt. Das ist eine Friemelarbeit - aber auch die ist irgendwann geschafft.  


 
Und tada: Fertig ist eure Applikation!

Wenn euch das Tutorial gefallen hat, verlinkt es gerne. Ich freue mich, wenn ich jemandem damit helfen konnte. 

Donnerstag, 17. August 2017

Kleiderliebe - im wahrsten Sinne des Wortes

Wahre Kleiderliebe, ein verspieltes Kleid in knallrot nach einem Schnitt von Jojolino 

Ich gebe zu: Ich bin ein Mensch mit Hang zu Kurzschlussreaktionen. Das gilt beim Einkaufen - oh, heute Abend muss ich Rotwein trinken - genau so wie bei meinem Verhalten in Nähgruppen im Netz.

Eigentlich hatte ich ein ganz anderes Projekt in Arbeit (das auch immer noch auf Vollendung wartet) als Johanna von Jojolino Probenäherinnen für ihre Kleiderliebe gesucht hat. Das kleine Label war mir erst kurz vorher aufgefallen, als ihre Knotenliebe bei Facebook rauf und runter zu sehen war. Ein toller Schnitt, von dem ich jedoch weiß, dass ich ihn nur an heißen Wochenenden trägen würde - im Job trage ich nie schulterfrei und unter einem Blazer würden mich die geknoteten Enden stören. Und da in Hamburg heiße Wochenenden die absolute Ausnahme sind, hat die Vernunft gesiegt...bis...

Der Schnitt mit seinen Puffärmeln und dem gerafften Rockteil ist genau mein Geschmack - und gegen die weißen Beine kann ich nix unternehmen ;)

Ja bis Johanna ihren Aufruf für die Kleiderliebe gestartet hat. Im Prinzip hatte sie mich schon beim Namen des Schnittes. Ich liebe Kleider - und wollte also unbedingt dabei sein, wenn ein Schnittmuster Probe genäht wird, das Kleiderliebe heißt.

Albern, allein wegen eines Namens so euphorisch zu sein und alles stehen und liegen zu lassen. Aber die Kurzschlussreaktionen - ihr wisst ja ;)

Also habe ich bei meinem eigentlichen Projekt nur das allernötigste gemacht und mich ins Probenähen gestürzt.

Sowohl vorne als auch hinten ist das Kleid hochgeschlossen - und damit auch perfekt für den kommenden Herbst geeignet

Es wird ja in der Nähszene oft über das Probenähen gestritten. Ich würde nicht alle Argumente als falsch abtun, die dagegen sprechen. Aber ich mache das gern. Ein Probenähen ist wie ein riesiger Nähkurs mit tollen kreativen Mädels. Und gerade meine letzten beiden Probenähen haben mich enorm bereichert, vor allem was die Stoffauswahl und die Fotos anbetrifft. Ich mag mein Kleid und ich mag meine Fotos - aber von dem Niveau anderer Näherinnen bin ich noch weit entfernt.

Noch ein Pluspunkt für die Kleiderliebe: Sie hat Taschen. Ohne Taschen und Kleinkind geht es meisten gar nicht. Wo sollen dann die Taschentücher und Keksreste hin? ;)

Ihr seht hier meine erste Kleiderliebe. Stofflich nach den ganzen Musterstoffen der letzten Zeit mal wieder ganz schlicht. Aber ich liebe Rot in allen Tönen so sehr, da darf es auch mal simpel sein. Und die Kleiderliebe braucht keine Effektstoffe um zu wirken. Sie ist ein leicht verspielter Kleiderschnitt mit Puffärmeln (da fühle ich mich wieder wie vier Jahre alt und liebe es) und gerafftem Rock. Auch, dass das Kleid hoch geschlossen ist, mag ich sehr. Ich habe eine schlechte Haut. Ein verdecktes Dekolletee kommt mir da an vielen Tagen ganz Recht... :)

So sieht der Übergang vom Oberteil zum Rock ohne Gürtel aus

Genäht habe ich Größe 32. Die nächste Kleiderliebe, die momentan schon unter den Maschinchen liegt, wird an den Schultern auf 30 verschmälert, da die Partie noch nicht perfekt sitzt.

Wenn die dann auch fertig ist (ich hoffe heute Abend) geht's zurück an mein aufgeschobenes Projekt: Meine erste eigene Applikation. Ihr dürft gespannt sein... Ich jedenfalls bin ganz aufgeregt :)

Hier noch mal einer der Puffärmel in der Nahaufnahme. Ich mag das total


In Kürze

Stoff: Baumwolljersey von Homemade by Steffi 
Verlinkt bei RUMS